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Psychiatrie
„Sich zu melden bedeutet, die eigene Gesundheit ernst zu nehmen.“
Von Ilias Koutromanos
Ärztlicher Leiter


Gab es einen Moment, in dem Sie wussten: Das ist mein Fach? Oder ist die Psychiatrie eher zu Ihnen gekommen?
Mich spricht an der Psychiatrie besonders an, dass wir den Menschen als Ganzes kennenlernen: seine Geschichte, seinen Alltag und das, was ihn bewegt. Medizinisches Wissen ist dabei wichtig, aber genauso wichtig sind Zuhören und echtes Interesse. Diese Verbindung macht das Fach für mich aus.
Viele kommen mit einer Frage und haben eigentlich eine andere. Woran merken Sie im ersten Gespräch, worum es wirklich geht?
Das zeigt sich oft erst, wenn jemand in Ruhe erzählen kann. Ein Mensch kommt zum Beispiel wegen Schlafproblemen, und im Gespräch wird deutlich, wie viel Druck, Sorge oder Erschöpfung dahintersteckt. Ich frage nach und versuche gemeinsam mit meinem Gegenüber zu verstehen, was gerade am meisten belastet. Dabei muss im ersten Gespräch noch nicht alles auf den Tisch.
Was passiert in einer Behandlung, wenn Psychiatrie und Psychotherapie im selben Haus sind, das in getrennten Praxen nicht passiert?
Der grosse Vorteil sind die kurzen Wege: Unsere Psychiater*innen und psychologischen Psychotherapeut*innen können sich mit Einverständnis der Patient*innen direkt abstimmen. So lassen sich die ärztliche Sicht und die Erfahrungen aus der Psychotherapie gut zusammenbringen. Auch zwischen getrennten Praxen ist eine gute Zusammenarbeit möglich. Unter einem Dach lässt sie sich im Alltag oft einfacher gestalten.
Für viele ist ein Medikament eine Hürde. Wie sprechen Sie mit jemandem, der Angst hat, sich zu verändern oder abhängig zu werden?
Ich nehme diese Sorge ernst und möchte zuerst verstehen, was genau jemandem Angst macht. Dann besprechen wir in Ruhe, was ein Medikament bewirken kann, welche Nebenwirkungen möglich sind und ob beim jeweiligen Mittel ein Abhängigkeitsrisiko besteht. Das Ziel ist, Beschwerden zu lindern und wieder mehr Handlungsspielraum im Alltag zu gewinnen. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam, ohne Druck und mit regelmässigem Blick darauf, wie es der Person damit geht.
Bei Medikon arbeiten viele Psychotherapeut*innen in Ausbildung. Was möchten Sie ihnen mitgeben, das in keiner Weiterbildung steht?
Ihr müsst nicht sofort auf alles eine Antwort haben. Viel wichtiger ist, aufmerksam zuzuhören, nachzufragen und auch einmal zu sagen: „Das weiss ich noch nicht, wir schauen gemeinsam hin.“ Menschen spüren, ob wir ihnen mit echtem Interesse begegnen. Und Hilfe im Team zu holen, ist für mich ein Zeichen von Verantwortung und Stärke.
Was sagen Sie jemandem, der seit Monaten überlegt, ob er sich melden soll?
Sie müssen nicht warten, bis gar nichts mehr geht. Wenn Sie etwas schon länger belastet, dürfen Sie sich Unterstützung holen, auch wenn Sie noch nicht genau benennen können, was los ist. Im ersten Gespräch schauen wir gemeinsam, was Sie beschäftigt und welche Hilfe sinnvoll sein könnte. Sie müssen dafür nichts vorbereiten oder die „richtigen“ Worte finden.
Wenn Sie einen Mythos über die Psychiatrie für immer abschaffen könnten, welcher wäre es?
Dass man erst völlig am Ende sein muss, bevor man psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen darf. Auch wer im Alltag noch funktioniert, kann innerlich stark leiden und Unterstützung brauchen. Sich zu melden bedeutet, die eigene Gesundheit ernst zu nehmen. Genau dafür sind wir da.
„Sich zu melden bedeutet, die eigene Gesundheit ernst zu nehmen.“

